Die Geschichte des Root Beer
Veröffentlicht am 04.08.2026
Kurz geantwortet
Root Beer geht auf Wurzelsude der amerikanischen Ureinwohner zurück, die von europäischen Siedlern übernommen wurden. Der Apotheker Charles Hires stellte 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia die erste kommerzielle Version vor. Zum Massengetränk wurde Root Beer während der Prohibition ab 1920, als alkoholfreie Alternativen gefragt waren.
Root Beer ist eines der wenigen Getränke, deren Geschichte man dem Namen noch ansieht: Es war einmal gebraut, es hatte einmal Alkohol, und es kam einmal aus Wurzeln. Von allen dreien ist heute nichts mehr übrig — außer dem Namen.
Vor den Marken: der Wurzelsud
Lange vor jeder Abfüllung kochten die amerikanischen Ureinwohner Wurzeln und Rinden aus — darunter Sassafras und Sarsaparilla. Die Sude galten als stärkend und wurden im Alltag getrunken.
Europäische Siedler übernahmen das Verfahren und setzten es in ihre eigene Brautradition um: Zucker dazu, Hefe dazu, ein paar Tage stehen lassen. Was dabei entstand, war ein „Small Beer” — ein schwach alkoholisches Alltagsgetränk, wie es im 19. Jahrhundert überall in den USA hergestellt wurde.
Das ist der Ursprung des „Beer” im Namen. Kein Malz, kein Hopfen, aber sehr wohl ein Brauvorgang.
1876: Charles Hires und die Weltausstellung
Der Apotheker Charles Hires aus Philadelphia machte daraus ein Produkt. Nach eigener Darstellung lernte er den Wurzeltee auf seiner Hochzeitsreise kennen, entwickelte eine Trockenmischung daraus und stellte sie 1876 auf der Centennial Exposition in Philadelphia vor.
Er verkaufte zunächst Pulver zum Selbstansetzen, später den fertigen Sirup und schließlich das abgefüllte Getränk. Die Marke Hires war damit die erste kommerzielle Root-Beer-Marke — und ist bis heute im US-Handel zu finden.
Interessant ist, wie er es vermarktete: als Temperenzgetränk. Hires war Quäker, und Root Beer wurde ausdrücklich als gesunde, alkoholfreie Alternative zum Bier beworben. Genau diese Positionierung wurde vierzig Jahre später zum Glücksfall.
1920: Die Prohibition macht Root Beer groß
Mit dem landesweiten Alkoholverbot ab Januar 1920 brach der Biermarkt weg — und die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen explodierte. Zahlreiche Brauereien stellten auf Softdrinks um, und Root Beer war das naheliegendste Produkt: dunkel, schäumend, würzig, aus dem Fass gezapft.
Roy Allen hatte den richtigen Riecher: Er eröffnete seinen ersten Root-Beer-Stand 1919 in Lodi, Kalifornien — ein Jahr vor Inkrafttreten des Verbots. Zusammen mit Frank Wright entstand daraus A&W, eine der ersten Franchise-Ketten der USA überhaupt.
Die A&W-Drive-ins mit den gefrosteten Glaskrügen und den Bedienungen auf Rollschuhen prägten das Bild vom amerikanischen Diner mit. Für viele Amerikaner ist Root Beer bis heute weniger ein Getränk als eine Kindheitserinnerung.
1960: Das Sassafras-Verbot
Der einschneidendste Moment kam vierzig Jahre später und hatte nichts mit Marketing zu tun. 1960 verbot die FDA safrolhaltiges Sassafrasöl als Lebensmittelzusatz — Tierstudien hatten Safrol als leberschädigend eingestuft.
Damit fiel die namensgebende Zutat weg. Alle kommerziellen Marken stellten auf safrolfreie Extrakte und naturidentische Aromen um. Ob das Getränk seitdem anders schmeckt, lässt sich schwer sagen: Die Generation, die den Unterschied hätte beurteilen können, ist längst an das neue Profil gewöhnt.
In der EU ist Safrol als Lebensmittelzusatz ebenfalls nicht zugelassen — der Grund, warum auch beim Selbermachen keine echte Sassafraswurzel zum Einsatz kommt.
Und in Deutschland?
Root Beer ist hier nie angekommen. Es gab immer wieder Versuche, kleinere Abfüller und Importaktionen, aber keine dauerhafte Listung im Handel. Der Grund ist derselbe wie immer: Der Geschmack polarisiert, und was polarisiert, ist für eine Supermarktkette ein schlechtes Geschäft.
Was heute hier ankommt, kommt über Importeure. Welche Marken das sind — und nach welchen man vergeblich sucht — steht in der Markenübersicht.